Wie schon in den letzten Jahren fand in den zweiwöchigen Osterferien ein großes RSG-Trainingslager in der Provence statt. In unmittelbarer Nähe des berühmten Mont Ventoux hatten wir wieder den „Ferienpark“ Carpe Diem in Vaison-la-Romaine als Standort. Untergebracht sind wir dort in unterschiedlich großen Hütten, sogenannten Mobile-Homes. Je nach eigenem Bedarf sind diese ausgelegt für zwei bis zu zehn Personen, vom Pärchen über verschieden Familiengrößen und Kleingruppen. Insgesamt waren wir zusammen mit vielen anderen aus dem Radsportverband Niedersachsen ca. 200 Personen. Die An- und Abreise konnte jeder für sich flexibel gestalten, so dass manche nur in der ersten Woche dabei waren und andere später zur zweiten Woche dazu stießen. Der Großteil war natürlich durchgängig vor Ort.

In der Vorsaison öffnet der „Ferienpark“ exklusiv nur für uns, so dass wir das ganze Gelände über die zwei Wochen nur für uns als große Gruppe haben. Mit einer großen Spielburg im Zentrum ist es für Kinder ein Paradies, wo sie ungestört im geschützten Raum miteinander spielen können. Von daher kommen auch Familien, in denen nicht alle Kinder Radsport betreiben wollen, voll auf ihre Kosten. Bzw. bietet die Region so viel, dass auch nicht radsportbetreibende Familienangehörige und Partner einen attraktiven Urlaub verbringen können. Die Region ist reich an geschichtsträchtigen Orten (Avignon, Orange) wie Burgen (Grignan) oder mittelalterliche Dörfer in Höhenlage (Crestet und Séguret) und an gut erhaltenen Naturstätten. Sehr beliebt ist auch der Markttag in Vaison-la-Romaine und die mittelalterliche Stadt, ihre engen Gassen, ihre Burg sowie der antike Teil mit Brücke und Überresten aus der Römerzeit.

Radsportlich kamen sowieso alle in unterschiedlichsten Gruppen auf ihre Kosten. Die Nachwuchsfahrer wachsen in der positiven Gruppendynamik jedes Mal absolut über sich hinaus und absolvieren Tourenlängen von denen man vorher zu Hause nur träumen konnte. Die Eltern staunen meist, dass dies so einfach geht. Los ging es schon mit einer Gruppe für U9, für die Matthias Marquardt ein schönes Programm herausgesucht hatte. Von der U11 bis zur U19 hatte jede Altersklasse passende Gruppen. Dazu auch noch eine extra Mädchengruppe. Bei den Erwachsenen gab es eine Gruppe für Elite Fahrer, aber auch selbst so benannte „Cappuccino-Gruppe“ die es bei ihren Toure sehr gemütlich anging. Stefanie Paul hatte ein Angebot für Frauen Elite Fahrerinnen. Jeder konnte auf seine Art und Weise Kilometer sammeln oder entsprechend detaillierte Trainingsprogramme absolvieren. Bei der tollen Landschaft war es für jede(n) ein Genuss.

Das Wetter war im Prinzip wie in allen Jahren trocken und sehr sonnig. Die beiden Tage mit Regen (1. und 5. Tag) passten als Ruhetage sehr gut in das Trainingsschema der sogenannten Dreierblöcke. In der Provence ließen sich die Tage mit dem kälte Einbruch über ganz Europa sehr gut aushalten und es blieb tagsüber vergleichsweise warm und der Regen blieb wie so oft weit nördlich hängen, ohne unsere Urlaubsregion zu erreichen.

Felix Döring war maßgeblich für die Tourenplanung der Elite und U19 Fahrer verantwortlich. Hier ist sein Bericht:
In diesem Jahr war ich erstmals im Provence-Trainingslager dabei. Am Fuße des Mont Ventoux waren wir – circa 200 Rennradfahrer aus Niedersachsen – auf einem Campingplatz in kleinen Bungalows untergebracht. Unser Häuschen teilten wir uns zu fünft mit weiteren Erwachsenen aus der RSG: Benedikt, Ole, Thilo, Basti und ich.
Da der erste Tag verregnet und kalt war, nutzten wir die Zeit, um in Ruhe anzukommen und uns einzurichten. Unsere frisch geputzten Fahrräder wollten wir nicht gleich wieder einsauen, daher ließen wir das Einrollen kurzerhand ausfallen. Glücklicherweise sollte das Wetter in den darauffolgenden Tagen wie versprochen trocken, warm und sonnig bleiben.
Am Montag starteten wir mit einer eher flachen Auftaktrunde gemeinsam mit den U19-Fahrern. Benedikt, Basti und ich konnten es uns am Ende jedoch nicht nehmen lassen, noch eine kleine Extrarunde dranzuhängen, sodass wir bereits am ersten Tag gute 150 km zurücklegten.

Am nächsten Tag stand für mich eine ganz besondere Tour an: Wir befuhren mit dem Col de Pommerol einen kleinen Abschnitt meiner Bikepacking-Tour von 2024 (Hannover–Monaco) erneut – landschaftlich einfach wunderschön.
Das Highlight war für mich „De Ronde van Marten“ (eine von Marten geplante Tour). Diese anspruchsvolle Runde umfasste etwa 140 km und 2.400 Höhenmeter. Die Höhenmeter verteilten sich auf drei längere Anstiege darunter der Col de Perty mit beeindruckender Aussicht auf die Alpen. Während die meisten U19-Fahrer aus Gründen der Belastungssteuerung die Anstiege im Grundlagentempo bewältigten, nutzten Ole, Benedikt und ich die Berge für Trainingsreize im Schwellenbereich. Bergab zeigte die U19 uns dann, wie man richtig um die Kurven fährt.

Den Ruhetag vor dem letzten Trainingsblock nutzten wir, um unsere Speicher und Vorräte wieder aufzufüllen. Bei mir zeichnete sich eine gewisse Riegelknappheit ab und das Angebot an Riegeln in den französischen Supermärkten überzeugte mich nicht. Daher machten Ole und ich kurzerhand Clemens (U19-Fahrer) Marshmallow-Riegel nach. Da wir nicht alle Zutaten bekommen hatten, half Clemens uns aus und erklärte uns nochmal das Rezept. Das Ergebnis überzeugte. Die etwas improvisierten Marshmallow-Cornflakes-Riegel sollten uns gut durch die verbleibenden Tage bringen.

Im letzten Trainingsblock stand schließlich die Königsetappe in die Ardèche an. Diese Tour war mit 180 km und 2.356 Höhenmetern nicht nur die Längste, sondern auch landschaftlich ein absolutes Highlight. Der Fluss hat sich tief in den Fels gegraben, und die Straße schlängelt sich mit ständigem Auf und Ab entlang seines Verlaufs. Mit dabei war an diesem Tag auch unser 1. Vorsitzender Felix Paul. Wie schon an den Tagen zuvor machte uns der Wind zu schaffen: Der für die Region typische Mistral war an diesem Tag besonders stark ausgeprägt. Auf dem Hin- und Rückweg durch das Rhônetal waren wir seitlichen Böen von bis zu 80 km/h schutzlos ausgesetzt. Die beeindruckende Landschaft der Ardèche entschädigte jedoch schnell für die Strapazen.
Am vorletzten Tag ging es von Bédoin aus noch einmal auf den höchsten Berg der Region – den Mont Ventoux, den wir die vorherigen Tage bereits aus verschiedensten Perspektiven bestaunt und umrundet hatten. Der Anstieg ist rund 21 km lang und überwindet etwa 1.600 Höhenmeter. Aufgrund von noch nicht geräumtem Schnee konnten wir den Gipfel in diesem Jahr leider nicht ganz erreichen.
Abgerundet wurde das tägliche Programm durch eine morgendliche Stabi-Einheit sowie eine kurze gemeinsame Besprechung am Abend. Insgesamt hatten wir eine großartige Zeit. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Thilo – gelernter Koch –, der mit der „Cappuccino-Gruppe“ unterwegs war und oft schon das Essen fertig hatte, wenn wir völlig erschöpft von unseren langen Ausfahrten zurückkamen.

Zu weiteren Bildern hat Brenton Walker Links erstellt:
Eine Sammlung seiner bessere Fotos:
https://photos.app.goo.gl/GVhnWGsc9ENG3XLd7
Viel mehrer Fotos gibt es in diesen täglichen Alben von Brenton:
https://photos.app.goo.gl/aaQgg8qgHFdrwiwJ6
https://photos.app.goo.gl/SAoknN2KJbPqCxhNA
https://photos.app.goo.gl/9uc8Tfwi9913jeyJ7
https://photos.app.goo.gl/SczyzHuQQmbmfmu58
https://photos.app.goo.gl/38NWSVJiVQA8BfQo7
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