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Unsere Mitglieder

Der Verein hat Anfang diesen Jahres einen – für unseren lokalen Radsportkreis „an der Basis“ besonders ungewöhnlichen Mitgliedsantrag in Person von Marcel Laurenz entgegennehmen dürfen. Der Autorenmeinung nach viel zu ungewöhnlich, um kein Wort darüber in der Vereinszeitschrift zu verlieren. So kam die Idee für die Fortsetzung der in der 100. Ausgabe begonnenen Reihe „RSGdM“ (RSG: deine Mitglieder) zustande und der Kontakt zum Betreffenden war schnell aufgebaut. Bescheiden wie er ist bat mich Marcel anschließend, ob seiner Person und Leistungen „bloß nichts an die große Glocke (zu) hängen!“ Dieser Bitte nachzukommen fiel mir gar nicht so leicht, da er sich auch gerade deshalb nicht nur in sportlicher Hinsicht von Anderen (im positiven Sinne) unterscheidet. Ein Vorstellungsversuch

RSGdM Nr. 2 – Marcel Laurenz

Marcel, für die, die dich noch nicht kennen: du bist nach einer erfolgreichen Radsportjugend auf der Straße später wieder in den Radsport zurückgekehrt und auf die Bahn gewechselt. Dort hast du seither in den Disziplinen Sprint und 750 m Zeitfahren u. a. UCI-Doppelvizeweltmeistertitel in deiner AK (Masters 2) 2018 und 2019 errungen. Du fährst international für ein britisches Bahnteam; warst früher Mitglied beim HRC und bei BG Langenhagen – aber nie ein Teil der RSG. Und genau jetzt bist du als 4-facher Bahn-Vizeweltmeister unserem Verein beigetreten. Dabei können wir dir seit dem Ende der Anlage in Wülfel 2017 nicht mal eine Bahn anbieten. Wie kam das zustande?

Nachdem ich vor ein paar Jahren wieder aufs Rad gefunden hatte, waren es u.a. viele RSG’ler mit denen ich meine Runden gedreht habe. Der Wechsel in die RSG ist hauptsächlich darin begründet, dass ich einen Verein gesucht habe, für den Rennsport im Vordergrund steht. Die RSG hat viele tolle und erfolgreiche Fahrer, mit denen ich mich auch privat gut verstehe, da lag die Entscheidung nahe, gemeinsam im gleichen Verein zu fahren.

Kaum zu glauben: du bist als Amateursportler mehrfacher UCI-Vizeweltmeister geworden – neben einem Beruf in Vollzeit und als 4-facher Familienvater. Darf man dich da fragen: wie hast du das fertig gebracht?

(lacht) Ich bin tatsächlich ein reiner Hobbysportler, auch wenn mein Tagesablauf neben Familie und Beruf deutlich vom Sport beeinflusst wird. Durch die lange Pause musste ich erkennen, was mir wirklich im Leben gefehlt hat und das ist u.a. eine sportliche Betätigung. Ich habe einen vollen Tag aber der sportliche Ausgleich lässt die übrigen Herausforderungen des Alltags gut meistern.

Du wohnst in Hemmingen. Wie (und wo) trainierst du?

Das Training als Bahnsprinter unterscheidet sich schon sehr vom Straßen-Radsport. Die meisten lachen über meine Kilometerleistung und auch ich kann häufig schmunzeln, wenn ich nach 3 Stunden Training 15 bis 20 km „erradelt“ habe. Da die Nutzung der Radrennbahn schon immer schwierig war und nun ganz unmöglich geworden ist, basiert mein Training viel auf Ergometer- Einheiten und Krafttraining. Die Fähigkeit, alles was man hat in 10 Sekunden abrufen zu können, stellt deutlich andere physische und psychische Anforderungen an den Körper als die Fähigkeit, lange einen Berg hochfahren zu können.

Nahm die aktuelle Coronakrise Einfluss auf dein Training?

Bremen Six Days „DEIN RENNEN“ 2020: Marcel gewinnt zum 2. Mal das Jedermann-Event © – @blacklinecoaching

Interessanterweise hat das Thema Corona nur eine untergeordnete Rolle im Training gespielt. Da ich alle nötigen Geräte vor Ort habe, war ich nur wärend der Reisetätigkeiten eingeschränkt. Sonst trainiere ich wie gewohnt und habe mit meinem englischen Trainer Pete Mitchell und Rennteam „Blackline“ eine regelmäßige „Online-Session“ auf dem Ergometer und der althergebrachten Rolle.

Aber dein Rennkalender hat darunter sicher gelitten. Worauf bereitest du dich aktuell vor?

Der Saisonplan lebt im Moment von Absagen und Verschiebungen. Auch mein Saisonhöhepunkt, die Masters WM Mitte Oktober (in Manchester, UK) ist noch nicht bestätigt. Mit anderen Worten: ich übe mich in Geduld, um zu sehen, welche Veranstaltungen wann und wo stattfinden. Gern würde ich auch meine TOP-150 Position in der UCI -Weltrangliste der Elite verteidigen, aber dafür bedarf es des Sammelns von Punkten bei offiziellen UCI-Rennen (siehe https://www.uci.org/track/calendar) – das ist sowohl sehr zeitaufwendig als auch kostspielig.

Für den Fall der Fälle: wie und wo lässt sich mehr über dich und deine sportlichen Aktivitäten erfahren?

Ich versuche meine Themen auf einer offenen Facebook Seite zusammen zu halten.

Marcel und ein Teamkollege von seinem britischen Bahnteam „Black Line“ (2019) © – @blacklinecoaching

Unter https://www.facebook.com/SpeeeeedCamp-680723455413225 findet man alle relevanten Ergebnisse, Ankündigungen und Neuigkeiten. SpeeeedCamp mit 5e ist für alle gedacht, die mal gerne schnell fahren möchten …Sonst bin ich auch gern über die RSG What’sApp-Gruppe erreichbar und lese fleißig mit.

Dein brit. Coach hat dich 2019 auf Facebook als „member of the year“ nominiert – weil du der Stimmungsgarant im Team seiest – können wir mit dir beim nächsten Sommerfest oder Wurstessen rechnen, um uns selbst davon zu überzeugen?:-)

Ich weiß gar nicht, ob ich so ein Stimmungsgarant bin, eigentlich bin ich eher ein ruhiger Typ, dem man nachsagt, das norddeutsche „social distancing“ zu leben. Dennoch stelle ich mich gern in die Dienste meines Teams. Sei es als Helfer oder als mentale Betreuung, dann da kann etwas Ruhe manchmal auch die Nervosität vorm Rennen lindern. Wenn ich es irgendwie einrichten kann – denn wir haben ja schon gesehen, dass mein Tag doch immer sehr gefüllt ist – bin ich gern beim Sommerfest oder anderen Aktivitäten dabei. Denn ich freue mich immer sehr, auch die Erfolge der Vereinskollegen/innen feiern zu dürfen und davon haben wir eine Menge.

Lieber Marcel, vielen Dank für das Gespräch und deine umfassenden Antworten. Alles Gute und nochmals herzlich willkommen in unserem Verein!

Das Gespräch führte Ole Dahms.

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